Welche individuellen Kompetenzen sind für New Work wichtig?

Individuelle Fähigkeiten wie Selbstkontakt, Selbstreflexion, Selbstorganisation und -motivation sind die Basis jedes erfolgreichen New Work Modells. Nach unserer Definition von New Work verlagern wir  Macht und Verantwortung im Unternehmen von der Führungsspitze viel breiter in der Mitarbeiterschaft als Ganzes. Entscheidungen werden nunmehr dort getroffen, wo die relevanten Kompetenzen und Informationen liegen – und das ist oft nicht in der Geschäftsführung, sondern beispielsweise in einem Projektteam, beim Lead eines Fachkreises oder bei einer Mitarbeiter:in, die ganz nah am Kunden arbeitet. Durch diese Machtverlagerung gewinnen Mitarbeiter:innen im Unternehmen neue Gestaltungsräume und übernehmen viel mehr Verantwortung. Sie müssen selbstständiger als je zuvor kluge Entscheidungen treffen, neue Ideen entwickeln und diese verständlich nach außen vertreten. Um diesem neuen Gestaltungsradius gerecht zu werden, statt von ihm überfordert zu sein, müssen sie innerlich klar und reflektiert sein. 

Guter Selbstkontakt als Basis für innere Klarheit und stabile Wahrnehmung

Die Basis für innere Klarheit und stabile Wahrnehmung ist ein guter Selbstkontakt. Denn angesichts reduzierter äußerer Vorgaben werden wir Menschen selbst – mit unseren Wahrnehmungs- und Reflexionsfähigkeiten  – zum wichtigsten Führungsinstrument. 

Aber vielen Menschen, uns eingeschlossen, fällt es schwer sich selbst präzise wahrzunehmen. Das eigene innere Erleben erscheint uns vielmehr diffus und willkürlich. Oft überfordert es uns schon auf die Allerweltsfrage “Wie geht es Dir?”, eine ehrliche und differenzierte Antwort zu geben. Denn die meisten Menschen haben gelernt sich selbst mental zu verstehen, statt ganzheitlich zu spüren. Wenn wir uns unserem Inneren zuwenden, nutzen wir hauptsächlich unseren Verstand. Wir denken uns. Doch dabei verpassen wir unendlich viele subtile Informationen, die auf der körperlichen, emotionalen und intuitiven Ebene verfügbar sind. In der Folge fühlen wir uns diffus und fragmentiert. 

Menschen mit einem guten Selbstkontakt hingegen, können zu jedem Zeitpunkt verschiedene subtile Informationen wahrnehmen. Sie können in sich hinein spüren und feststellen, ob sie angespannt oder lebendig, ruhig oder gestresst sind. Sie können ihre Emotionen, ob Angst, Freude, Wut oder Scham, konkret benennen. Zugleich bekommen sie auch mit, wenn sie keinen Zugang zu Gefühlen haben und sich eher taub oder leer fühlen. Sie beobachten die verschiedenen Gedanken, die ihnen durch den Kopf gehen und sehen, ob diese klar und nachvollziehbar sind oder ein unzusammenhängender Gedankenfetzen den anderen jagt. Sie können Situationen erst einmal wahrnehmen und ihren Kolleg:innen entspannt zuhören. Oder sie bekommen mit, wenn sie gestresst sind und das Verhalten einer Kollegi:n spontan und automatisch als aggressiv oder vorwurfsvoll abwerten. 

Warum ist ein guter Selbstkontakt im Arbeitskontext so wichtig?

Die Fähigkeit sich selbst ausreichend gut auf dem Schirm zu haben, ist in fluiden Arbeitskontexten aus vielerlei Gründen wichtig. Dein Kontakt mit Dir selbst ist die Basis für Deine Fähigkeit Deine Umwelt wahrzunehmen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und Situationen adäquat einzuschätzen. Denn es gibt nicht DIE Realität, sondern nur meine und Deine individuelle Wahrnehmung der Welt. Dein Innenraum determiniert Deine gesamte Erfahrung der äußeren Welt. Du selbst bist der Resonanzraum, in dem Deine ganze Welt, Du selbst, Deine Mitarbeiter:innen, eure Strategie, euer Marktumfeld, auftaucht. Nur was Du in Dir selbst sehen, fühlen und verstehen kannst, kannst Du auch in der Welt wahrnehmen. Im Umkehrschluss werden Dich Emotionen oder komplexe Zusammenhänge, die Du nicht erfassen kannst, entweder überfordern oder gar nicht erst in der Wahrnehmung auftauchen. Nun bekommt natürlich kein Mensch alles mit, was um ihn oder sie herum stattfindet. Wir alle haben eine selektive Wahrnehmung. Aber je mehr Realität Du wahrnehmen kannst, desto besser werden Deine Beziehungen zu Kolleg:innen, Chef:innen, Kund:innen oder Partner:innen sein und desto informierter werden Deine beruflichen Entscheidungen ausfallen. 

Um die Aussagen einer Kolleg:in in einem Meeting zu verstehen oder die einzelnen Facetten einer Entscheidung abzuwägen, müssen wir uns ausreichend leer machen können. Was meinen wir damit? Nun, nur wer innerlich in sich Raum hat, kann andere Menschen oder Situationen in sich auftauchen lassen und abbilden. Wer, im Gegensatz dazu, in sich viele Gedanken, diffuse Sinneswahrnehmungen und emotionale Trigger verspürt, kann andere Menschen und Themen nicht klar wahrnehmen. Neurowissenschaftlern zufolge schießen täglich alleine zwischen 50. – 70.000 Gedanken durch einen Kopf. Kein Wunder, dass es schwer fällt, da den Überblick zu halten. 

Stell Dir eine Schneekugel vor, eine dieser Miniaturlandschaften von einer Glas- oder Plastikhalbkugel umhüllt, in der dichter Schnee umher treibt. Dies ist unser Verstand in seinem Normalzustand. Um etwas zu überlegen, abzuwägen, um Dich auf ein Thema, ein Problem wirklich einzulassen, hast Du in diesem Zustand sehr wenig Platz in Dir. Du wirst im Zweifel reaktiv handeln, impulsiv dem ersten Fingerzeig nachgehen, die gleiche Option wählen wie immer. Wenn sich der Schnee in der Kugel jedoch gesetzt hat, dann hast Du einen freien Blick auf das, was um Dich herum passiert. Dann kannst Du auch andere Themen frei in Dir bewegen und auf dieser Basis handeln: Dann siehst Du Deine wütende Kolleg:in auf einer tieferen Ebene und verstehst íhren Gefühlsausbruch im Meeting als verzweifelnde Entladung eines Menschen, der gerade durch familiären Stress so am Limit ist, das eine kleine Provokation sein Fass zum Überlaufen brachte. Und reagierst entsprechend. Ebenso kannst Du Dich tiefer auf den Konflikt mit eurem Zulieferer einlassen, und den größeren Kontext euer Wettbewerbssituation in Dir auftauchen lassen. Du kannst Dich ruhig und offen konzentrieren und die verschiedenen Optionen eines Business Deals in Dir abwägen.

 

Dieser Text ist ein Auszug aus unserem neuen Buch: “Die entfaltete Organisation. Mit Inner Work die Zukunft gestalten”. Es erscheint im Herbst 2022, zuerst mit einem Crowdfunding und anschließend im Vahlen Verlag. 

Individuelle Fähigkeiten wie Selbstkontakt, Selbstreflexion, Selbstorganisation und -motivation sind die Basis jedes erfolgreichen New Work Modells. Nach unserer Definition von New Work verlagern wir  Macht und Verantwortung im Unternehmen von der Führungsspitze viel breiter in der Mitarbeiterschaft als Ganzes. Entscheidungen werden nunmehr dort getroffen, wo die relevanten Kompetenzen und Informationen liegen – und das ist oft nicht in der Geschäftsführung, sondern beispielsweise in einem Projektteam, beim Lead eines Fachkreises oder bei einer Mitarbeiter:in, die ganz nah am Kunden arbeitet. Durch diese Machtverlagerung gewinnen Mitarbeiter:innen im Unternehmen neue Gestaltungsräume und übernehmen viel mehr Verantwortung. Sie müssen selbstständiger als je zuvor kluge Entscheidungen treffen, neue Ideen entwickeln und diese verständlich nach außen vertreten. Um diesem neuen Gestaltungsradius gerecht zu werden, statt von ihm überfordert zu sein, müssen sie innerlich klar und reflektiert sein. 

Guter Selbstkontakt als Basis für innere Klarheit und stabile Wahrnehmung

Die Basis für innere Klarheit und stabile Wahrnehmung ist ein guter Selbstkontakt. Denn angesichts reduzierter äußerer Vorgaben werden wir Menschen selbst – mit unseren Wahrnehmungs- und Reflexionsfähigkeiten  – zum wichtigsten Führungsinstrument. 

Aber vielen Menschen, uns eingeschlossen, fällt es schwer sich selbst präzise wahrzunehmen. Das eigene innere Erleben erscheint uns vielmehr diffus und willkürlich. Oft überfordert es uns schon auf die Allerweltsfrage “Wie geht es Dir?”, eine ehrliche und differenzierte Antwort zu geben. Denn die meisten Menschen haben gelernt sich selbst mental zu verstehen, statt ganzheitlich zu spüren. Wenn wir uns unserem Inneren zuwenden, nutzen wir hauptsächlich unseren Verstand. Wir denken uns. Doch dabei verpassen wir unendlich viele subtile Informationen, die auf der körperlichen, emotionalen und intuitiven Ebene verfügbar sind. In der Folge fühlen wir uns diffus und fragmentiert. 

Menschen mit einem guten Selbstkontakt hingegen, können zu jedem Zeitpunkt verschiedene subtile Informationen wahrnehmen. Sie können in sich hinein spüren und feststellen, ob sie angespannt oder lebendig, ruhig oder gestresst sind. Sie können ihre Emotionen, ob Angst, Freude, Wut oder Scham, konkret benennen. Zugleich bekommen sie auch mit, wenn sie keinen Zugang zu Gefühlen haben und sich eher taub oder leer fühlen. Sie beobachten die verschiedenen Gedanken, die ihnen durch den Kopf gehen und sehen, ob diese klar und nachvollziehbar sind oder ein unzusammenhängender Gedankenfetzen den anderen jagt. Sie können Situationen erst einmal wahrnehmen und ihren Kolleg:innen entspannt zuhören. Oder sie bekommen mit, wenn sie gestresst sind und das Verhalten einer Kollegi:n spontan und automatisch als aggressiv oder vorwurfsvoll abwerten. 

Warum ist ein guter Selbstkontakt im Arbeitskontext so wichtig?

Die Fähigkeit sich selbst ausreichend gut auf dem Schirm zu haben, ist in fluiden Arbeitskontexten aus vielerlei Gründen wichtig. Dein Kontakt mit Dir selbst ist die Basis für Deine Fähigkeit Deine Umwelt wahrzunehmen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und Situationen adäquat einzuschätzen. Denn es gibt nicht DIE Realität, sondern nur meine und Deine individuelle Wahrnehmung der Welt. Dein Innenraum determiniert Deine gesamte Erfahrung der äußeren Welt. Du selbst bist der Resonanzraum, in dem Deine ganze Welt, Du selbst, Deine Mitarbeiter:innen, eure Strategie, euer Marktumfeld, auftaucht. Nur was Du in Dir selbst sehen, fühlen und verstehen kannst, kannst Du auch in der Welt wahrnehmen. Im Umkehrschluss werden Dich Emotionen oder komplexe Zusammenhänge, die Du nicht erfassen kannst, entweder überfordern oder gar nicht erst in der Wahrnehmung auftauchen. Nun bekommt natürlich kein Mensch alles mit, was um ihn oder sie herum stattfindet. Wir alle haben eine selektive Wahrnehmung. Aber je mehr Realität Du wahrnehmen kannst, desto besser werden Deine Beziehungen zu Kolleg:innen, Chef:innen, Kund:innen oder Partner:innen sein und desto informierter werden Deine beruflichen Entscheidungen ausfallen. 

Um die Aussagen einer Kolleg:in in einem Meeting zu verstehen oder die einzelnen Facetten einer Entscheidung abzuwägen, müssen wir uns ausreichend leer machen können. Was meinen wir damit? Nun, nur wer innerlich in sich Raum hat, kann andere Menschen oder Situationen in sich auftauchen lassen und abbilden. Wer, im Gegensatz dazu, in sich viele Gedanken, diffuse Sinneswahrnehmungen und emotionale Trigger verspürt, kann andere Menschen und Themen nicht klar wahrnehmen. Neurowissenschaftlern zufolge schießen täglich alleine zwischen 50. – 70.000 Gedanken durch einen Kopf. Kein Wunder, dass es schwer fällt, da den Überblick zu halten. 

Stell Dir eine Schneekugel vor, eine dieser Miniaturlandschaften von einer Glas- oder Plastikhalbkugel umhüllt, in der dichter Schnee umher treibt. Dies ist unser Verstand in seinem Normalzustand. Um etwas zu überlegen, abzuwägen, um Dich auf ein Thema, ein Problem wirklich einzulassen, hast Du in diesem Zustand sehr wenig Platz in Dir. Du wirst im Zweifel reaktiv handeln, impulsiv dem ersten Fingerzeig nachgehen, die gleiche Option wählen wie immer. Wenn sich der Schnee in der Kugel jedoch gesetzt hat, dann hast Du einen freien Blick auf das, was um Dich herum passiert. Dann kannst Du auch andere Themen frei in Dir bewegen und auf dieser Basis handeln: Dann siehst Du Deine wütende Kolleg:in auf einer tieferen Ebene und verstehst íhren Gefühlsausbruch im Meeting als verzweifelnde Entladung eines Menschen, der gerade durch familiären Stress so am Limit ist, das eine kleine Provokation sein Fass zum Überlaufen brachte. Und reagierst entsprechend. Ebenso kannst Du Dich tiefer auf den Konflikt mit eurem Zulieferer einlassen, und den größeren Kontext euer Wettbewerbssituation in Dir auftauchen lassen. Du kannst Dich ruhig und offen konzentrieren und die verschiedenen Optionen eines Business Deals in Dir abwägen.

 

Dieser Text ist ein Auszug aus unserem neuen Buch: “Die entfaltete Organisation. Mit Inner Work die Zukunft gestalten”. Es erscheint im Herbst 2022, zuerst mit einem Crowdfunding und anschließend im Vahlen Verlag.